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Abschied vom Bargeld: Zahlen mit dem Android-Phone wird immer beliebter

Lange Zeit waren die Deutschen nicht vom Bargeld abzubringen. Ganz gleich, welche modernen elektronischen Zahlmethoden aufkamen, gerade bei kleineren Beträgen hielt man hierzulande an der baren Münze fest – bis sich im vergangenen Jahr ein deutlicher Trendwechsel zeigte. Gerade mobiles Bezahlen mit dem Smartphone erfreut sich nun plötzlich immer größerer Beliebtheit. Die Banken erkennen das Potenzial und ziehen mit, immer mehr Institute nehmen beispielsweise Google Pay in ihr Angebot mit auf, und auch der Handel selbst liefert immer mehr flexible Methoden und intelligente Apps, damit an der Kasse nur noch das Handy gezückt werden muss.

Zahlmittel im Wandel der Zeit

Vor zwei Jahren, sahen gerade die Deutschen kaum einen Grund von traditionellen Zahlungsmethoden Abstand zu nehmen. 2019 nutzen nur 6 Prozent der Bevölkerung ihr Smartphone oder Wearables zum Bezahlen an der Kasse, und selbst wenn sich dieser Anteil in der ersten Jahreshälfte 2020 verdoppelte, hielt man auch dann noch am Bargeld fest: sechs von zehn Transaktionen wurden nach wie vor ohne der Nutzung elektronischer Zahlmittel abgewickelt, 23 Prozent mit der Girokarte, 6 Prozent mit der Kreditkarte, 5 Prozent per Lastschrift und nur 2 Prozent aller Geschäftsabwicklungen wurden mit Internetzahlverfahren abgeschlossen.

Vor allem im Supermarkt ließ man am liebsten Münzen und Scheine in die Kasse wandern – zu 69,9 Prozent wurde im Lebensmitteleinzelhandel bar bezahlt, und sogar in Einrichtungs- und Möbelhäusern nutzen Kunden zu 31 Prozent diese Zahlmethode. Hygienerisiken dabei wurden jedoch immer offensichtlicher, weshalb insbesondere der Handel selbst verstärkt Möglichkeiten anbot, um bequem mobil zahlen zu können, sei es mit eigenen, unternehmensinternen Apps oder über Angebote der Hardwarehersteller – neben Apple Pay ist mittlerweile für Android-Nutzer Google Pay beliebt, auch der asiatische Gigant Huawei besitzt beispielsweise seine eigene mobile Zahltechnologie.

Sicherheit

Bei vielen Nutzern steht die Sicherheitsfrage nach wie vor im Vordergrund. Im Internet elektronisch bezahlen, das hat sich seit längerem in Deutschland etabliert. Im E-Commerce liegt nach wie vor PayPal auf Platz 1 der präferierten Methoden, gefolgt von Vorkasse, Rechnung und Kreditkarte. Relativ neu ist der Trend des Bezahlens mit Bitcoin-Währung – Anwendung findet dies vor allem dort, wo man gerne anonym bleibt, jedoch nicht auf Sicherheit verzichten möchte. Kryptowährungen werden im ein oder anderen Online Casino, wie auch bei großen Unternehmen wie Microsoft, Expedia, Dell und Lieferando bereits akzeptiert.

Spannend ist, inwieweit sich diese Zahlmethode auf Einkäufe vor Ort auswirken wird – im Supermarkt per Smartphone mit Bitcoin bezahlen könnte dank moderner Technologie bald ganz alltäglich werden, besonders da diese Transaktionen als extrem sicher und transparent gelten. Derzeit profitiert der Marktbereich mobile Zahlsysteme in erster Linie von dem Vorteil so komplett ohne Berühren fremder Oberflächen den Kauf abschließen zu können. „Smile to Pay“ nennt man diese Methode in China, und Experten wie der Vizepräident von Wirecard Group Strategy, Markus Eichinger, glauben, dass auch in Deutschland hier die Zukunft liegt: „Bis 2030 rechnen wir damit, dass der Einkauf per Lächeln, also „Smile to Pay”, wie er in China bereits Anwendung findet, gängig geworden ist“, erklärte er laut Econsor. Was sympathisch klingt, ist die Technologie, die diese Zahlvorgänge sicher macht: Das Smartphone wird per Gesichtserkennung – oder Finger-Scan – entschlüsselt, dann kann in der Regel die Zahlung ohne weitere Eingabe eines PINs erfolgen. Viele Apps setzen dabei auf einen QR- oder Strichcode, der von der jeweiligen App auf dem Handy erzeugt wird, und der dann einfach über ein Lesegerät an der Kasse gescannt wird.

 

Eine weitere Alternative, besonders verbreitet in Europe, ist NFC-Technlogie, die mittels eines Funkchips, ähnlich dem von Giro- und Kreditkarten, die Kundendaten an das Gerät des Händlers sendet. Eine spezielle App ist dabei nicht nötig, das Smartphone, auf dem die Kreditkarte oder Girokarte gespeichert ist, wird in diesem Fall ganz einfach an das Lesegerät gehalten.

Sein eigenes Zahlsystem hatte Apple bereits 2014 mit Apple Pay entwickelt, das jedoch lediglich iPhone-Nutzern vorbehalten ist. 2015 folgte Android Pay, das 2018 in Google Pay überging, als man Android Pay und Google Wallet offiziell zusammenführte. Auch in Deutschland wird diese Methode immer beliebter, und immer mehr Finanzinstitutionen schließen sich dem Trend an. Die Commerzbank bietet beispielsweise Google Pay für alle ihre Master- und Visa-Karten wie auch ihre Girocard, und auch Direktbanken wie ING oder Volkswagen Financial Services haben diese Zahlweise im Angebot. PayrNet, eine Tochter von Railsbank, wie auch die Oldenburgische Landesbank kamen Ende August auf die Liste der Banken, die Google Pay unterstützen.

Gewiss ist, dass in den kommenden Jahren zahlreiche weitere technologische Fortschritte mobiles Zahlen immer einfacher und flexibler machen werden. Die Supermarktkette Aldi Süd bietet beispielsweise bereits elf verschiedene Zahlmethoden, zu denen nun eine weitere hinzukam, die vor allem Reisende ansprechen soll. Alipay, entwickelt von Tech-Konzern Alibaba, wird vor allem in China verwendet – mit über einer Milliarde aktiven Nutzern. Bisher benötigte man dazu ein Konto bei einer chinesischen Bank, um das internationale Angebot auszuweiten, erlaubt Alibaba jetzt jedoch auch Nutzerkonten mit einer internationalen Bankkarte anzulegen. Die Alipay App funktioniert ebenfalls per QR-Code auf dem Handy, das somit einfach an den Zahlterminal bei Aldi gehalten werden muss.

Tage gezählt

Die Tage des Bargelds sind demnach auch in Deutschland höchstwahrscheinlich gezählt: eine aktuelle Umfrage, in Auftrag gegeben von Zahlungsdienstleister Klarna, ergab, dass vor allem junge Leute deutlich weniger Bargeld mit sich führen, und dass die Deutschen derzeit ab Beträgen von 11 Euro lieber bargeldlos zahlen. 20 Prozent der 18- bis 24-Jährigen nutzen gar kein Bargeld im Einzelhandel mehr, bei den über 55-Jährigen sind es immerhin 14 Prozent, die ganz ohne Bares im Geldbeutel einkaufen gehen, und auch die Zahl der Personen, die mittlerweile kein Geld mehr bei der Bank abheben, hat im Laufe des vergangenen Jahres stark zugenommen.

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