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Neue Entwicklungen auf dem Mobile World Congress: Automobilität im Fokus

Mit dem Mobile World Congress in Barcelona ist wieder ein digitales Event der Extraklasse zu Ende gegangen. Dabei lag der Fokus auch in diesem Jahr zwar immer noch auf den verschiedenen Mobilfunklösungen, aber auch der automobile Sektor war gut vertreten. Wir zeigen Ihnen, welche besonderen Events und spannende Innovationen beim Mobile World Congress auf die Besucher gewartet haben.

Die MWC ist schon lange keine reine Smartphone-Messe mehr

Seit mehr als 30 Jahren gehört der Mobile World Congress zu den wichtigsten Messen für die Mobile-Branche. In den letzten Jahren hat sich der Fokus allerdings immer weiter verschoben und die ganze Messe hat sich für viele neue Bereich geöffnet. Selbstverständlich sind die größten Aussteller noch immer aus der Smartphone-Branche, doch vor allem auch der Automobilbereich ist in den letzten Jahren erstaunlich angewachsen. So auch in diesem Jahr. So stellte unter anderem der Hersteller BMW seine BMW Natural Interaction vor, welche die unterschiedlichsten Sensoren im Innern des Autos für eine bessere Interaktion zwischen Nutzer und Fahrzeug nutzen soll. Zudem war unter anderem auch der spanische Automobilhersteller Seat als Aussteller auf der Messe und präsentierte dort mit dem Seat Minimó ein Connected Concept Car mit einem neuartigen Wechselakku-Konzept. Doch die wohl größte Innovation präsentierten die beiden Hersteller HPE und Continental. Denn diese verkündeten, dass Sie eine Handelsplattform für Fahrzeugdaten auf den Markt bringen wollen.

Moderne Fahrzeuge als Daten-Erfasser erster Güte

Betrachtet man laut diesen beiden Unternehmen die Daten, welche von den verschiedenen Sensoren der Fahrzeuge erfasst werden, ist es schier unglaublich, welche Datenmengen dort gesammelt werden. So kann ein moderners Fahrzeug mit seinen Sensoren rund 25 Gigabyte an Informationen pro Stunde aufzeichnen. Denn moderne Fahrzeuge können bereits heute auf rund 130 unterschiedliche Sensoren zurückgreifen, welche sowohl die Umwelt als auch das Verhalten des Fahrzeuges überwachen. Das Problem an der Sache: Aktuell ist weder geklärt, wem diese Daten zuzuordnen sind, noch wie diese Daten effektiv genutzt werden können.

Die Fahrzeug Daten werden aktuell nur zur Überwachung der Funktionalität genutzt
Aktuell sammeln die verschiedenen Sensoren im Fahrzeug bereits viele verschiedene Daten. Diese sind allerdings bisher kaum mit weiteren Lösungen vernetzt, sondern werden vor allem zur Analyse des Fahrzeugs verwendet. Viele einzelne Bauteile werden bei modernen Motoren und Fahrzeugen umfassend überwacht und gibt Unregelmäßigkeiten und Störungen direkt an das entsprechende Steuergerät weiter. Somit kann direkt ausgelesen werden, welche Fehler und Schäden an einem Fahrzeug vorhanden sind. Bisher werden diese Daten vor allem von Kfz-Werkstätten benötigt. Doch die Ansätze beim Mobile World Congress zeigen, dass sich diese Daten noch viel besser nutzen lassen. So präsentierte SEAT mit dem Concept-Car Minimó einen vollelektrischen Zweisitzer, der in wenigen Sekunden einfach den Akku selber tauscht. Eine Android-Auto-Unterstützung und Google Assistant stehen dem Fahrer zu Verfügung.

Was mit den Daten passieren könnte

Wenn sich die neue Plattform der beiden Hersteller etablieren sollte, könnte ein ganz neuer Markt entstehen. Dabei sollen die Daten dem Besitzer des Fahrzeuges zugeordnet werden. Das bedeutet natürlich auch, dass die Besitzer von den Daten direkt oder auch indirekt profitieren könnten. Dabei gibt es unter anderem die Idee eines Tauschhandels, aber auch einer direkten Vergütung der Daten. Beispiele lassen sich viele finden. Gibt der Fahrer beispielsweise kostenfrei die Daten des Regensensors frei und hilft somit dem Automobilhersteller Regenzonen zu identifizieren und diese gegebenenfalls als Datensatz über andere Kanäle zu monetarisieren, könnte der Fahrer im Gegenzug ebenfalls kostenlos andere Daten erhalten. Beispielsweise einen kostenlosen Glatteis-Warner, welcher durch die Daten der verschiedenen ABS-Sensoren anderer Fahrzeughalter aktualisiert wird. Der somit einsetzende Tauschhandel von Daten ist allerdings nur der Anfang. Denn Automobilhersteller könnten durchaus anfangen, die Daten der Kunden auch gegen geldwerte Vorteile einzukaufen. Service-Leistungen und Wartungsverträge könnten durch diese Form der Datenbezahlung für viele Unternehmen und für viele Kunden wieder interessanter werden. Vor allem dann, wenn alle verfügbaren und nutzbaren Fahrzeugsensoren zu diesem Zweck eingesetzt werden könnten.

Neue Geschäftsmodelle können Autos wieder attraktiver machen

Für viele Fahrzeughersteller könnte der Ansatz von HPE und Continental durchaus einen Durchbruch bedeuten. Denn besonders in Deutschland gehen die Absatzzahlen bei Fahrzeugen in einigen Bereichen deutlich zurück. Vor allem junge Fahrer sind bei Weitem nicht mehr so stark an einem eigenen Fahrzeug interessiert. Durch die Nutzung der Daten und vor allem auch durch die Möglichkeit über diese Datensätze Gewinne zu realisieren könnten wieder neue Fahrer und Fahrzeughalter hinzugewonnen werden. Zudem können die großen Unternehmen durch den Verkauf und die Vermarktung der verschiedenen Daten ebenfalls neue Geschäftsfelder erschließen. Insgesamt also ein spannender Ansatz.

Aktuelle Schwierigkeiten bei dieser Lösung

Es gibt allerdings noch ein Problem. Zum einen ist noch nicht endgültig geklärt, wer überhaupt diese Daten besitzt und in wie fern sich das Konzept mit dem Fahrzeughalter als Besitzer der Daten auch gerichtlich durchsetzen lässt. Zudem ist die Plattform für den Erfolg darauf angewiesen, dass die meisten der großen Hersteller mit der Plattform kooperieren und eine Nutzung und Verbreitung der Daten und der damit gewonnenen Erkenntnisse über die Grenzen der eigenen Fahrzeuge hinaus erlauben. Erst wenn ein BMW die Daten eines Mercedes oder Golf nutzen kann und auch dessen Daten bei den anderen Fahrzeugen verfügbar sind, kann sich eine durchweg lohnende und effektive Plattform herausbilden.

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